Warum der untere Rücken bei Stress im Alltag ständig zieht

Es ist Sonntagabend in Altona, der 26. April. Draußen drückt ein kühler Wind die Elbe-Luft gegen meine Fensterscheiben, und Blasius, mein schwarzer Kater, hat es sich auf der zusammengerollten Matte gemütlich gemacht, die eigentlich für meine Abend-Übung bereitlag. Ich sitze am Küchentisch, das Leinen-Heft aufgeschlagen, und spüre diesen vertrauten, dumpfen Zug im Kreuz.

Hinweis: In diesen Notizen finden sich Affiliate-Links. Wenn du über einen dieser Links einen Kurs buchst, erhalte ich eine Provision – für dich bleibt der Preis gleich. Ich schreibe hier nur über Kurse wie die von RaGarve, die ich selbst gekauft und in den letzten 16 Wochen mit meinem Heft durchgearbeitet habe.

Gestern war ein harter Samstag in der Buchhandlung. Eine Lieferung schwerer Hardcover vom Hanser-Verlag kam an, dazu die übliche Samstagshektik in der Großen Elbstraße. Wenn ich vier Tage die Woche jeweils neun Stunden an der Theke stehe, summiert sich das auf 36 Stunden reines Stehen. Seit 2022 ist dieser Zug im unteren Rücken mein ständiger Begleiter, ein Schatten, der mal länger, mal kürzer wird, aber nie ganz verschwindet.

Wenn die Muskulatur die „Enge“ des Alltags speichert

Ich habe lange geglaubt, es sei nur die physische Belastung. Dass ich mich einfach nur falsch bücke, wenn ich die unteren Regalfächer einsortiere oder die alte Waagenwippe der Auslage neu dekoriere. Doch in den letzten Wochen, seit ich mich intensiver mit dem Kurs Phaenomen Leben [Weite] beschäftige, begreife ich etwas anderes: Mein Rücken reagiert nicht nur auf das Gewicht der Bücher, sondern auf die Enge in meinem Kopf.

An der Kasse riecht es oft nach staubigem Papier und kaltem Tee. Wenn es voll wird und die Schlange bis zu den Biografien reicht, drücke ich manchmal heimlich meine Knöchel in den unteren Rücken, um kurz Erleichterung zu finden. Ich merke dann, wie ich den Atem anhalte. Ich bewege mich dann wie eine Bibliotheksleiter aus dem 19. Jahrhundert, die seit Jahrzehnten nicht mehr geölt wurde – steif, funktional, aber innerlich unter Hochspannung.

Diese Spannung sitzt oft im Iliopsoas, dem sogenannten Seelenmuskel. Wenn der Alltag eng wird – sei es durch Termindruck oder die ständige Erreichbarkeit –, zieht sich dieser Muskel zusammen und zerrt an der Lendenwirbelsäule. Es ist ein biologisches Relikt: Flucht oder Kampf. Aber in der Buchhandlung kann ich weder fliehen noch kämpfen, ich kann nur lächeln und die nächste ISBN eintippen.

Der Vergleich: Nachtschicht und Buchhandels-Alltag

Neulich dachte ich an eine Stammkundin, eine Pflegekraft, die oft nach ihrer Nachtschicht bei mir vorbeikommt. Wir haben uns über den Rücken unterhalten. Bei ihr ist es noch extremer: Während ich 36 Stunden pro Woche stehe, trägt sie Menschen und bewegt Lasten zu Zeiten, in denen der Körper eigentlich auf Regeneration programmiert ist. Ihr Körper verliert durch die Schichtarbeit den gewohnten Rhythmus vollkommen.

Standardübungen für den Feierabend versagen bei ihr oft, genau wie sie bei mir manchmal ins Leere liefen. Warum? Weil der Körper bei extremer Belastung oder Stress in einer völlig anderen biomechanischen Grundspannung feststeckt. Wenn man dann versucht, eine komplexe Yoga-Stretching-Einheit in der winzigen Altonaer Küche zu erzwingen, passiert es: Ich habe letzte Woche Blasius' Wassernapf umgekippt, bin ausgerutscht und endete weinend auf dem Linoleum, weil mein Rücken einfach „zu“ war. In solchen Momenten hilft kein Dehnen, da hilft nur Loslassen.

Ich merke, dass mein Rücken besonders dann zieht, wenn ich das Gefühl habe, keine Wahl zu haben. Wenn der Stapel im Lager zu hoch wird oder die Frau, die jeden Donnerstag einen Doppelgänger-Band sucht, den es gar nicht gibt, mich besonders fordert. Stress ist Enge. Und das Gegenmittel ist Weite.

Ein neuer Ansatz: Mentale Weite statt nur Dehnen

Ich habe im März begonnen, neben den rein körperlichen Übungen der Wirbelsäulentherapie auch die Audio-Module von „Phaenomen Leben“ zu hören. Es sind insgesamt 12 Stunden Material, das ich mir in kleinen Portionen am Sonntagabend oder bei Spaziergängen an der Elbe gönne. Es geht dort nicht um „How-to“, sondern um das Bewusstsein für den Raum, den wir einnehmen.

Ein Schlüsselmoment war eine Passage über das Loslassen von Aufgaben. Als es hieß, dass das Leben keine Aufgabe ist, die man „lösen“ muss, entwich mir ein tiefer, unwillkürlicher Seufzer. Ich spürte plötzlich eine Wärme in meinen Hüften, die keine Physiotherapie der Welt dort hineingebracht hätte. Es war, als ob mein Beckenboden und meine untere Wirbelsäule zum ersten Mal seit Tagen wieder Platz zum Atmen hätten.

Hier sind meine Erkenntnisse aus 16 Wochen Sonntagstagebuch:

Wenn du selbst im Verkauf arbeitest oder ähnliche Belastungen hast, schau dir vielleicht mal meinen Bericht zu Übungen gegen Rückenschmerzen beim langen Stehen an. Es ist oft eine Kombination aus der richtigen Bewegung und dem Wissen, wann man den Kopf ausschalten muss.

Wichtig bleibt: Wenn der Schmerz stechend wird oder in die Beine ausstrahlt, ersetzt kein Online-Kurs den Gang zum Orthopäden. Ich bin Buchhändlerin, keine Medizinerin. Aber ich weiß, wie sich ein Rücken anfühlt, der unter der Last des Alltags stöhnt.

Sonntagabend-Fazit

Der Wasserkocher pfeift. Blasius hat die Matte inzwischen verlassen und wartet auf sein Futter. Mein Rücken zieht immer noch ein bisschen, aber es ist kein „böser“ Schmerz mehr. Es ist eher eine Erinnerung daran, dass ich morgen wieder in die Buchhandlung gehe, aber vielleicht mit ein bisschen mehr innerem Raum zwischen den Regalreihen.

Vielleicht ist es genau das, was wir brauchen: weniger Kampf gegen den Schmerz und mehr Verständnis für die Enge, die ihn verursacht. Falls du auch das Gefühl hast, dass dein Alltag dich körperlich zusammendrückt, könnte die Arbeit an der inneren Weite ein Weg sein. Mir hilft der Zugang von RaGarve dabei sehr, gerade weil er so unaufgeregt ist. Du findest den Kurs hier: Phaenomen Leben [Weite].

Ich klappe mein Heft für heute zu. Die Elbe glitzert dunkel im Hafenlicht, und morgen fange ich wieder an – mit zehn Minuten Übung, oder vielleicht auch gar nicht. Je nachdem, was der Rücken sagt.

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