
Es war ein Sonntagabend, der 22. März 2026, als es passierte. Ich wollte nur nach einer Ausgabe von Joan Didion greifen, die mir hinter den Beistelltisch gerutscht war. Ein kurzes, elektrisches Knallen im Lendenbereich, und die Welt blieb stehen. Ich lag auf dem Dielenboden meiner Altonaer Wohnung, starrte auf die Staubflocken unter dem Regal, und Blasius, mein schwarzer Kater, hockte sich mit dieser unerträglichen kätzischen Ruhe direkt vor meine Nase.
Hinweis vorab: In diesem Tagebuch erzähle ich von meinen persönlichen Erfahrungen. Einige Links hier sind Affiliate-Links. Wenn du darüber einen Kurs buchst, bekomme ich eine Provision – dein Preis ändert sich dadurch natürlich nicht. Ich schreibe nur über Dinge, die ich selbst auf meiner Matte zwischen Bücherregal und Küchentisch ausprobiert habe. Meine ausführliche Offenlegung findest du unten verlinkt.
Der Moment, in dem die Statik versagt
Ein Hexenschuss fühlt sich an, als hätte jemand eine Metallstange in die Muskulatur gerammt und sie dann unter Strom gesetzt. Da saß ich nun, Mitte 30, seit vier Jahren schlage ich mich jetzt schon mit diesem ziehenden unteren Rücken herum, der 2022 das erste Mal so richtig anklopfte. Ich wusste: Morgen früh um neun muss ich in der Großen Elbstraße stehen. Vier Tage die Woche, jeweils neun Stunden an der Theke, auf der Leiter oder beim Umräumen der Auslage. Das sind 36 Stunden Stehen pro Woche, die mein Rücken irgendwie kompensieren muss.
Mein erster Impuls war der Griff zum Medizinschrank. Aber ich hasse das Gefühl von starken Schmerzmitteln im Kopf – dieser wattierte Schleier, der mich in der Buchhandlung unkonzentriert macht, wenn Kunden nach Titeln suchen, die sie nur vage als 'das Buch mit dem blauen Cover' beschreiben. Ich wollte wissen, ob es anders geht. Ohne die chemische Keule, die nur den Alarm ausschaltet, aber das Feuer nicht löscht.
Die Angst der Alleinerziehenden und mein Glück im Unglück
Während ich da so lag, dachte ich an eine Kundin, die jeden Donnerstag kommt. Sie ist alleinerziehend, hat zwei kleine Kinder, eines davon noch im Buggy. Letzte Woche humpelte sie herein, das Gesicht schmerzverzehrt. Die Standardempfehlung bei Hexenschuss lautet oft: Ruhe, Wärme, Schonen. Aber wie soll das gehen, wenn man ein Kleinkind hochheben muss? Wenn die aktive Entlastung unmöglich ist, weil der Alltag keine Pausen vorsieht?
Diese Frau kann sich nicht einfach auf den Boden legen und warten, bis der Spasmus nachlässt. Für sie ist jeder Hexenschuss eine Katastrophe, die den Heilungsprozess massiv stört, weil die Belastung nie aufhört. Ich hingegen habe nur Blasius, der höchstens lautstark sein Futter einfordert. Das hat mir klargemacht, wie privilegiert meine kleine Matten-Ecke eigentlich ist. Und warum ich einen Weg finden musste, der funktioniert, ohne mich komplett auszuschalten.
Der erste Versuch auf der Matte
Am Montag, dem 23. März, schleppte ich mich doch in den Laden. Jeder Schritt war eine Verhandlung mit meinem Kreuzbein. In der Mittagspause erinnerte ich mich an die Wirbelsäulentherapie [Mein Einstieg], die ich vor ein paar Wochen angefangen hatte. Ich hatte bisher nur die Theorie gehört, aber jetzt war der Ernstfall da. Ich wusste, dass der Kurs in acht Module unterteilt ist – das sind etwa 26 Dollar pro Modul, wenn man es aufrechnet. Ein fairer Preis dafür, dass ich vielleicht wieder gerade stehen kann.
Ich lernte etwas Entscheidendes: Ein Hexenschuss ist oft kein struktureller Schaden, sondern ein Schutzspasmus der Muskulatur. Der Körper macht dicht, weil er Angst vor Verletzung hat. Die Lösung ist nicht absolute Bettruhe – die macht alles nur noch steifer – sondern das, was man in der modernen Therapie 'Mikrobewegungen' nennt. Ich habe warum der untere Rücken bei Stress im Alltag ständig zieht schon oft in meinem Heft notiert, aber akut ist das eine ganz andere Nummer.
Woche 3: Wenn das Stechen zur Wärme wird
Bis zum 12. April dauerte es, bis der stechende Schmerz in ein dumpfes, warmes Ziehen überging. Ich hatte meine Routine angepasst. Jeden Morgen zehn Minuten, noch bevor der Wasserkocher fertig ist. Ich rolle die Matte zwischen dem Küchentisch und dem Regal mit den alten Klassikern aus. Blasius nutzt die Zeit meistens, um meine Zehen zu attackieren, aber ich bleibe dabei. Diese zehn Minuten sind die Steuer, die ich für mein schmerzfreies Leben im Buchhandel zahle.
Ich habe in dieser Zeit viel über die Faszie gelernt. Nicht aus einem medizinischen Lehrbuch, sondern durch das Spüren. Wenn ich an der Kasse stehe und merke, wie der Schmerz hochkriechen will, mache ich kleine, fast unsichtbare Beckenbewegungen, die ich aus dem Kurs habe. Es ist ein körperlicher Zugang, der mir hilft, auch wenn der Kopf im Vorweihnachtsgeschäft (oder jetzt im Frühjahrstrubel) völlig überdreht ist.
- Keine Angst vor der Bewegung: Sanftes Kreisen ist besser als Erstarren.
- Wärme von innen: Durch die Übungen wird die Durchblutung angeregt, was besser hilft als jede Salbe.
- Der psychologische Faktor: Zu wissen, dass man nicht 'kaputt' ist, nimmt den Stress aus dem Rücken.
Manchmal, wenn die Woche besonders hart war, höre ich abends beim Kochen in den Kurs Phaenomen Leben [Weite] rein. Er ist weniger körperlich als die Wirbelsäulentherapie, aber er gibt mir diese geistige Weite, die man braucht, wenn man sich den ganzen Tag zwischen engen Regalreihen bewegt. Es ist ein guter Begleiter für die Sonntage, wenn der Blick über die Elbe geht und die Kräne im Hafen sich so langsam bewegen wie ich auf meiner Matte.
Ein Blick zurück vom Bücherwagen
Heute ist der 3. Mai 2026. Es ist Sonntagabend. Ich sitze an meinem Tisch, das Leinen-Heft aufgeschlagen, und schreibe diese Zeilen. Der Hexenschuss vom März ist nur noch eine Erinnerung, eine Warnung meines Körpers, die ich diesmal ernst genommen habe. Ich kann wieder auf die Leiter steigen, um die Lyrik-Bände ganz oben zu sortieren, ohne mich mit beiden Händen am Geländer festkrallen zu müssen.
Ich habe gelernt, dass 10 Minuten Rückenübungen für den Morgen bei wenig Platz in der Wohnung tatsächlich ausreichen, um den Teufelskreis aus Angst und Vermeidung zu durchbrechen. Wenn ich die Frau mit dem Buggy das nächste Mal sehe, werde ich ihr vielleicht nicht von Kursen erzählen – sie hat ohnehin keine Zeit für lange Videos – aber ich werde ihr sagen, dass sie sich trauen darf, sich ganz vorsichtig zu bewegen, auch wenn es zieht. Dass ihr Körper sie nicht im Stich lässt, sondern sie nur schützen will.
Für mich bleibt die Erkenntnis: Es braucht keine schweren Medikamente, um wieder in die Spur zu kommen. Es braucht Geduld, ein bisschen Platz zwischen Kühlschrank und Bücherwand und die Bereitschaft, auf den eigenen Körper zu hören, statt ihn nur funktionieren zu lassen. Falls du auch gerade flachliegst: Fang klein an. Die Wirbelsäulentherapie [Mein Einstieg] war für mich der Schlüssel, um die 36 Stunden Stehen pro Woche nicht nur zu überleben, sondern zu genießen. Vielleicht ist sie das auch für dich. Aber bitte, klär akute Schmerzen immer erst mit einem Profi ab, bevor du die Matte ausrollst – wir Buchhändler wissen zwar viel, aber wir sind keine Ärzte.
Ich klappe mein Heft jetzt zu. Blasius schläft schon auf der Matte. Morgen wartet die Große Elbstraße, und ich freue mich darauf – ganz ohne Schmerzmittel im Gepäck.