Was tun gegen Frust bei chronischen Rückenschmerzen im Alltag

Draußen auf der Elbe schiebt sich gerade ein Containerschiff vorbei, dessen Lichter im Regen verschwimmen, während ich hier an meinem Küchentisch in Altona sitze. Blasius, mein schwarzer Kater, hat es sich auf der zusammengerollten Matte bequem gemacht, die eigentlich für meine Übungen gedacht war. Es ist Sonntagabend, die Zeit, in der ich mein Leinen-Heft aufschlage und versuche, die Woche in Worte zu fassen.

Hinweis: In diesen Zeilen erzähle ich von meinem persönlichen Weg. Einige Links hier sind Affiliate-Links. Wenn du darüber einen Kurs buchst, erhalte ich eine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Ich empfehle nur, was ich selbst in meinem Altonaer Alltag zwischen Bücherstapeln und Elbufer getestet habe. Meine vollständige Offenlegung findest du im Impressum. Wichtig: Ich bin keine Ärztin oder Physiotherapeutin. Wenn dein Rücken streikt, geh bitte zuerst zum Orthopäden.

Wenn der Körper sich wie ein schlecht gebundenes Taschenbuch anfühlt

Letzten Freitag kam die neue Lieferung vom Hanser-Verlag. Es waren schwere Kartons, prallgefüllt mit Hardcovern, die darauf warteten, in die Regale der Buchhandlung in der Großen Elbstraße geräumt zu werden. Ich arbeite dort 36 Stunden in der Woche, verteilt auf vier Tage. Das bedeutet neun Stunden stehen, bücken, auf die Leiter steigen und wieder runter. Als ich die Rollleiter am späten Vormittag zu den Lyrik-Beständen schob, spürte ich es wieder: dieses ziehende, hämmernde Gefühl im unteren Rücken, das mich seit 2022 begleitet.

Das kalte Metall der Rollleiter unter meinen Fingern und der Geruch von frischer Druckerschwärze vermischten sich mit diesem stechenden Moment, als der Schmerz in die Lendenwirbel schoss. In diesem Augenblick dachte ich: Ich bin erst Mitte dreißig, aber mein Körper fühlt sich an wie ein schlecht gebundenes Taschenbuch, das langsam auseinanderfällt. Kennst du diesen Frust? Wenn man eigentlich nur seinen Job machen will, aber jede Bewegung von einer inneren Inventur des Schmerzes begleitet wird?

Manchmal ist der Frust größer als der Schmerz selbst. Es ist die Enge im Kopf, die entsteht, wenn man sich nur noch über die eigene „Schwachstelle“ definiert. Ich habe im letzten Jahr gelernt, dass Dehnübungen für den unteren Rücken zwar die Muskulatur lockern, aber die mentale Anspannung oft tiefer sitzt.

Der gescheiterte Versuch im Altbau-Bad

Anfang Januar hatte ich so eine Phase, in der ich dachte, ich müsste es mit Gewalt erzwingen. Ich wollte unbedingt die Übungen aus der Wirbelsäulentherapie [Mein Einstieg] machen, die mir mit ihren 8 Modulen eigentlich einen guten Rahmen bietet. Aber meine Altonaer Altbauwohnung ist eigenwillig. Ich versuchte, die Matte im winzigen Bad auszurollen, weil es dort am wärmsten war. Es endete damit, dass ich die Zahnbürstenbecher mit dem Fuß vom Waschbeckenrand fegte und fluchend zwischen Scherben und nassen Fliesen saß.

In solchen Momenten ist der Frust bei chronischen Rückenschmerzen am schlimmsten. Man will etwas Gutes tun, und die Realität – sei es der Platzmangel oder die Erschöpfung nach dem Dienst – schlägt einem die Tür vor der Nase zu. Ich habe die Matte danach eine Woche lang nicht mehr angerührt. Wenn eine Woche nichts passiert, dann ist das eben so. Das habe ich in mein Heft geschrieben: „Woche 42: Nichts getan, außer Scherben aufgesammelt.“

Die Perspektive der „Doppelgänger-Frau“: Schmerz unter Zeitdruck

In der Buchhandlung habe ich eine Stammkundin, Frau Hansen. Sie kommt jeden Donnerstag und sucht nach einem ganz bestimmten Band eines Doppelgänger-Romans, den wir einfach nicht finden können. Wir unterhalten uns oft. Sie pflegt ihren Mann zu Hause, hebt ihn, stützt ihn, ist rund um die Uhr in Alarmbereitschaft. Wenn ich ihr von meinen Rückenschmerzen erzähle, lächelt sie nur müde.

Für pflegende Angehörige sind Standardtipps wie „machen Sie mal öfter eine Pause“ oder „achten Sie auf eine ergonomische Schonhaltung“ fast schon ein Hohn. Wenn der Patient jetzt Hilfe braucht, kann man nicht erst die Wirbelsäule perfekt ausrichten. Der Zeitdruck und die körperliche Last lassen keinen Raum für klassische Entspannung. Frau Hansen war es auch, die mich fragte: „Was machen Sie denn mit Ihrem Kopf, wenn der Rücken schreit?“

Das brachte mich zum Nachdenken. Vielleicht war mein Fokus zu eng. Vielleicht war ich zu sehr auf die Wirbel fixiert und zu wenig auf das, was drumherum ist. Ich erinnerte mich an den Kurs Phaenomen Leben [Weite], den ich über eine Freundin entdeckt hatte. Es sind rund 12 Stunden Material, kein „How-to“ für Übungen, sondern eher eine Art inneres Zuhören.

12 Stunden für die innere Weite

Nach etwa sechs Wochen regelmäßigen Hörens – meistens bei langen Spaziergängen am Elbufer Richtung Övelgönne – passierte etwas Seltsames. Ich hörte die Module über die „Weite“, während der Wind mir um die Ohren pfiff und die Kräne im Hafen wie ferne Skelette in den Himmel ragten. Es gab keinen körperlichen Befehl, keine Anweisung, wie ich stehen sollte. Aber allein das Zuhören veränderte etwas.

An einem verregneten Dienstagnachmittag im März stand ich wieder im Lager und sortierte Rückläufer. Ein schwerer Stapel Bildbände musste nach oben. Früher hätte ich sofort die Luft angehalten und die Zähne zusammengebissen. Doch plötzlich spürte ich ein unbewusstes Lösen der Kiefermuskulatur und das Absenken der Schultern, sobald die Stimme im Kopfhörer von innerer Weite sprach. Es war, als würde der Raum in mir größer werden, sodass der Schmerz zwar noch da war, aber weniger Platz einnahm.

Dieser Kurs ist kein Allheilmittel. Es gibt Tage, da hilft auch die schönste Philosophie nicht gegen einen akuten Hexenschuss. Aber für den täglichen Frust, für dieses Gefühl, im eigenen Körper gefangen zu sein, bietet er eine Form von geistiger Belüftung. Man lernt, dass körperliche Heilung manchmal damit beginnt, den Fokus von der „kaputten Stelle“ wegzulenken. Wie ich das in einem anderen Eintrag nannte: Wie das Phänomen Leben die Sicht auf körperliche Heilung grundlegend verändert.

Was wirklich gegen den Frust hilft

Wenn mich heute jemand fragt, was man gegen den Frust tun kann, sage ich: Such dir etwas, das nichts mit „Reparieren“ zu tun hat. Die 8 Module der Wirbelsäulentherapie sind wunderbar für die Basis, aber wenn der Geist streikt, braucht man Weite.

Gestern Abend habe ich wieder eine Passage aus dem Kurs gehört. Ich saß auf der Bank an der Fischauktionshalle (ein Ort, den man auf Wikipedia eigentlich mal unter „Sehnsuchtsorte“ führen müsste) und schaute den Möwen zu. In diesem Moment war der Rücken ruhig. Nicht, weil er geheilt war, sondern weil er gerade keine Rolle spielte.

Vielleicht ist das der wichtigste Schritt: Den Schmerz nicht mehr als Feind zu betrachten, der besiegt werden muss, sondern als einen etwas anstrengenden Mitbewohner, der eben auch da ist, während man sein Leben lebt. Für alle, die wie Frau Hansen unter permanentem Druck stehen, ist dieser mentale Wechsel oft der einzige Weg, um nicht auszubrennen.

Blasius ist gerade aufgewacht und gähnt herzhaft. Er schert sich nicht um Wirbel oder Bandscheiben. Er nutzt die Matte einfach als Schlafplatz. Vielleicht sollte ich mir davon eine Scheibe abschneiden. Wenn du dich auch gerade wie ein zerlesenes Buch fühlst, schau dir das Phänomen Leben mal an. Es repariert dich nicht, aber es gibt dir den Raum zurück, den der Schmerz dir nehmen will.

Ich klappe mein Heft für heute zu. Morgen ist wieder Montag, die nächste Hanser-Lieferung kommt bestimmt. Aber diesmal nehme ich die Weite mit in den Laden.

Bitte beachten: Diese Webseite dient ausschließlich der Information und Unterhaltung. Ich bin kein Arzt, Finanzberater oder Anwalt. Holen Sie sich professionellen Rat, bevor Sie Entscheidungen zu Gesundheit oder Finanzen treffen.

Verwandte Artikel